Typisch methodistisch...

Denken und denken lassen. Methodisten haben keine Denkverbote für das Reden über den Glauben, über das Leben, über Gott und die Welt. Auch Gespräche mit Menschen anderen Glaubens über deren Glaubensüberzeugung sollen selbstverständlich und respektvoll geführt werden.

Für Methodisten - wie für alle Christen - ist die Bibel Grundlage ihres Glaubens. Aber sie wissen: die Bibel ist ein Buch, das in einem Zeitraum von etwa tausend Jahren von vielen Menschen aus verschiedenen Völkern, Kulturen und Epochen geschrieben wurde. Sie spricht mit vielen Stimmen. Wir hören aus ihr, wie Gott sich Menschen gezeigt und mit ihnen gesprochen hat und wie er heute mit uns reden will.

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Die wichtigste Person der Bibel ist Jesus von Nazareth. Er hat von Gott nicht nur gesprochen. Sein Handeln und die Hingabe seines Lebens am Kreuz bezeugen die Liebe und Nähe Gottes zu allen Menschen. Hier schlägt das Herz des christlichen Glaubens. Das Evangelium, die gute Nachricht von Jesus, ist seitdem in alle Länder der Welt getragen worden. Dass Menschen in anderen Ländern, Kulturen und Epochen die biblische Botschaft verstehen können, muss der Text übersetzt und für die Leser und Hörer interpretiert werden. Den Menschen in ihrer jeweiligen Zeit diese alte Botschaft aufzuschließen, darin besteht ein wichtiger Teil der theologischen Arbeit.

Im Prozess der theologischen Arbeit zum Verstehen der Bibel und der christlichen Überlieferung gibt es immer wieder unterschiedliche Auffassungen. Sie werden diskutiert und führen oft zum besseren Verstehen der biblischen Aussagen. Wir vertrauen darauf, dass Gott denen, die ihn bitten und sich ihm öffnen, seinen Geist schenkt, durch den sie Gottes Wort verstehen können. Darum ist Theologie keine Aufgabe nur für Fachleute, sondern für alle Christen. 

Die Evangelisch-methodistische Kirche entwickelt ihre Theologie und Lehre durch Gespräche weiter. Ein weltweites Netz von Konferenzen dient dem Austausch und der Entscheidung über das, was in der Kirche als offizielle Lehre gelten soll. Die Einsichten aus solchen Begegnungen werden von Theologinnen und Theologen in ihre Arbeit mit aufgenommen, in Hochschulen und Gemeinden erörtert und in die Praxis umgesetzt.

Das Besondere der Theologie besteht darin, alte Einsichten und Überlieferungen mit gegenwärtigen Erfahrungen und Erkenntnissen in Verbindung zu bringen. Dazu fragen wir: Wo ist Gott in unserer Welt, in unserem Leben? Wie können wir ihn erfahren und erkennen ? gerade auch durch das Studium der Bibel in Verbindung mit unserem Leben? Was heißt es für uns, in Beziehung mit Gott zu leben? Was wir dann erkennen, können wir unserem Verständnis entsprechend formulieren und umzusetzen versuchen. Diese Aufgabe ist nie endgültig abgeschlossen. 

Neue Einsichten und Erfahrungen können dazu führen, das Evangelium mit anderen Worten und Bildern zur Sprache zu bringen. Damit kommt die theologische Arbeit ihrem Ziel näher: die Botschaft von der Liebe Gottes, von ihrer befreienden und heilenden Kraft verständlich und überzeugend weiterzugeben. Theologie beginnt, wo Leben gelebt wird: wo Menschen lachen oder klagen, in Beziehungen leben oder Einsamkeit ertragen müssen. Manchmal haben wir den Eindruck, dass Gott schweigt oder gar nicht da ist. Darum muss Theologie offen sein dafür, dass und wie Gott heute zu Menschen spricht. Ihre Aufgabe ist das Hören auf Gottes Stimme in der Bibel und in unserer Lebenswelt. Theologie will das Verstehen erleichtern, damit Menschen Gott erkennen, sich ihm anvertrauen und mit ihm leben.